Prophylaktische Brustdrüsengewebs-Entfernung bei familiärem Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Familiärer Brustkrebs, bedingt durch Defekte in einzelnen Hochrisiko-Genen, macht jedoch nur ca. fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Die häufigsten bis jetzt bekannten Hochrisiko-Gene sind das BRCA1- und das BRCA2-Gen. BRCA ist die Abkürzung für das englische Wort breast cancer. Mutationen, also Veränderungen in diesen beiden Genen, lösen mit hoher Wahrscheinlichkeit Brust- und Eierstockkrebs aus.

 

Brustkrebs: Vorbild Angelina Jolie? Gentest sinnvoll?

Normalerweise stellen BRCA Gene wichtige Reparaturproteine her. Fehlen diese bzw. liegt ein Gendefekt vor, können Zellen zu Krebszellen entarten. Wer einen Defekt im BRCA1-Gen wie Angelina Jolie aufweist, hat ein 40- bis 80-prozentiges Risiko für Brustkrebs und ein 40- bis 55-prozentiges Risiko für Eierstockkrebs. Hat die Mutter oder der Vater ein verändertes Brustkrebs-Gen, erbt ein Kind mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit das veränderte BRCA-Gen.

Nicht jede Frau, die in der Familie einen Fall von Brustkrebs hat, muss bzw. soll einen Gentest durchführen lassen. Bei Frauen, welche die Voraussetzungen für ein erblich bedingtes Krebsrisiko erfüllen sind, ist eine genetische Beratung in einem der dafür vorgesehenen Zentren sinnvoll. Es gibt Kriterien, wann ein BRCA-Gentest angebracht ist, zum Beispiel wenn in einer Familie mindestens drei Frauen an Brustkrebs erkrankt sind oder von mindestens zwei Frauen eine vor dem 51. Lebensjahr Brustkrebs bekommen hat. Mit dem BRCA-Test kann nur abgeklärt werden, ob eine Frau Trägerin eines dieser beiden Hochrisiko-Gene ist oder eben nicht.

Mit dem heutigen BRCA-Gentest erfasst man die zwei bekannten Hochrisiko-Gene. Das gesamte übrige Erbgut wird nicht analysiert. Fällt der Test in einer mit Brustkrebs belasteten Familie unauffällig aus, so muss die untersuchte Frau nach wie vor mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko leben und sich engmaschigen Kontrollen unterziehen, weil die erbliche Belastung zwar vorhanden, aber nicht näher definierbar ist.

Gentests machen nur Sinn, wenn jemand bereit ist, auch die entsprechenden Konsequenzen zu tragen, also engmaschige Kontrollen mittels Mammografie und Kernspintomografie oder dann die Brustentfernung und die operative Entfernung der Eierstöcke. Wenn jemand von Vornherein die Tumorvorsorge-Massnahmen oder auch die Weiterleitung der Information innerhalb der Familie ablehnt, dann stellt sich die Frage nach dem Sinn des Gentests.
Selbst nach der Entfernung beider Brüste bleibt immer noch ein Restrisiko für eine Brustkrebserkrankung. Die vorbeugende Brustgewebsentfernung ist zwar radikal, senkt aber das Risikofür die Entwicklung von Brustkrebs um 90 Prozent. Auf der anderen Seite kann es sein, dass eine Frau ihre Brüste entfernen lässt, die trotz einer Mutation in einem Hochrisikogen ihr Leben lang nie Brustkrebs bekommen hätte.

Nach einem positiven Gentest gibt es folgende Möglichkeiten:
• manche Patientinnen entscheiden sich für intensivere Früherkennungsmaßnahmen (früherer Beginn mit MRT bzw. Brustultraschall statt "normaler" Mammographie)
• andere für Brustdrüsengewebs-Entfernung oder Eierstock-Entfernung.

Natürlich müssen diese schwerwiegenden Eingriffe genau besprochen sowie Vor- und Nachteile abgewogen werden. Sie ermöglichen allerdings eine Risikoreduktion für Brustkrebs von ca. 85 auf unter fünf Prozent und für Eierstockkrebs von ca. 30 bis 60 auf ca. ein Prozent.

Operationen reduzieren bei Frauen mit BRCA-Mutationen das Karzinomrisiko daher enorm. Die prophylaktische Entfernung der Brüste und Eierstöcke senkt das Risiko für Mammakarzinome um ca 95 Prozent und das für Eierstockkarzinome um ca. 80 Prozent. Im Endeffekt kann damit de facto eine Annäherung an die viel geringere Gefährdung von Frauen ohne diese familiäre Belastung erzielt werden.

Bei der Operation wird nur das Brust-Drüsengewebe entfernt, der Hautmantel und die Brustwarze bleiben bestehen. Anschließend wird der Hautmantel mit Implantaten oder Eigengewebe wie Eigenfett wieder aufgefüllt. Davor kann zum Vordehnen und Verbessern der Durchblutung ein Gewebe-Expander eingebracht werden, der in manchen Fällen auch durch eine Azelluläre Dermale Matrix/ADM umhüllt werden kann. Dadurch kann das Gewebe bei der anschließenden Verwendung von Brustimplantaten noch natürlicher und weicher werden. Spezialverbände nach den einzelnen Operationsschritten können die Durchblutung  noch weiter optimieren.

Wir beraten Sie gerne bezüglich massgeschneiderten Möglichkeiten zur Brustrekonstruktion bei familiärem Brustkrebs!

Die folgenden Fotos zeigen eine Patientin vor und nach prophylaktischer Brustdrüsengewebsabnahme/Mastektomie unter Erhalt der Brustwarze und des Hautmantels. Die Rekonstruktion des Brustvolumens erfolgte zunächst, wie auch bei Angelina Jolie, durch einen Expander. Der Aufbau erfolgte jedoch nicht durch Brustimplantate wie bei Angelina Jolie - sondern auf Wunsch der Patientin durch Eigenfett/Lipofilling. Die Brust fühlt sich so absolut weich und natürlich an!

Ihre Prophylaktische Mastektomie im Überblick:

• Narkose: Allgemeinnarkose
• Dauer: je nach Rekonstruktion
• Konzept: die individuelle Beratung ist wichtig - verschiedene Zugangsweisen sind möglich
• Nahtentfernung: selbstauflösende Fäden
• Sport: meist nach 6 Wochen